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Oval = Rund?

Ovale Kettenblätter: Darauf schwören Cracks wie z.B. Christoph Sauser und Bradley Wiggins. Ovale Kettenblätter sind allerdings schon seit den 80iger Jahren ein Thema, haben sich jedoch nie so richtig durchgesetzt. Zeit also das Ganze ad acta zu legen... oder ein Revival zu feiern? Ich wollte es wissen.

muscles4Seit vielen Jahren sind technische Spielereien zum Erzielen eines runden Tritts ein Thema. Eine Kurbel betätigen ist eigentlich eine total simple Angelegenheit. Würde man meinen. Analysiert man aber die Bewegung im Einzelnen, zeigt es sich, dass es eine hochkomplexe Sache ist. Mehrere Muskeln, mitunter die Stärksten des Körpers, aber auch schwächere Muskeln sind zu verschiedenen Zeitpunkten aktiv.

 

Die in der Graphik nebenan rot markierten (starken) Muskeln sind vor allem in der Druckphase (Kurbel auf 1 Uhr bis 4 Uhr) aktiv.. Dann kommen die gelben Muskeln an die Reihe (Gleitphase), und schlussendlich ab ca. der 7 Uhr-Stellung der Kurbel, sind die blauen Muskeln (Zugphase) an der Reihe. Vor der 12 Uhr Stellung (Schubphase)  werden die violetten Muskeln (vorderes Schienbein) aktiv und übergeben wieder an die Druckphase. Das rechte und linke Bein befinden sich während der gesamten Bewegung in den genau entgegengesetzten Phasen. Schliesslich ist noch die Fussarbeit (nicht gezeichnet) ganz wichtig, vor allem in den Übergangsphasen der Bewegung (Gleit und Schubphase).

 

Kurz und gut: Vom mechanischen Standpunkt aus gesehen, müsste das (runde) Kettenblatt während der gesamten Kreisbewegung eine möglichst konstante und grösstmögliche (Kreis)-Geschwindigkeit haben. Doch sind die biologischen Systeme in der Lage dies zu erzielen?

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Zunächst einmal müsste die Summe der Kraft von ROT RECHTS/BLAU LINKS müsste ca. gleich gross sein wie ROT LINKS/BLAU RECHTS
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Dann müssten die Muskeln die während der 6Uhr/12Uhr Stellung aktiv sind (gelb und blau/violett) für ganz kurze Zeit sowiel Kraft entwickeln können, dass die Bewegung geschmeidig weiter auf die beweglichen mechanischen Teile übertragen wird.

 

Diesen runden Tritt zu trainieren bedeutet Kurbelumdrehung für Kurbelumdrehung, sowohl bei tiefen als auch hohen Trittfrequenzen, die Muskelarbeit bezüglich Kraft und Timing fein abzustimmen.


qrings arrows

Das grösste Problem ist (neben der rechts/links Differenz), der Totpunkt bei 11-1 Uhr oder 5-7 Uhr. Wenn es gelingt, durch das Oval der Kettenblätter den benötigten Kraftaufwand zu verringern, müsste theoretisch viel effizienter getreten werden können. Korrekt montiert (bei den Q-Rings von Rotor gibt es verschiedene Möglichkeiten) sollte die grössere Übersetzung im Moment des grössten Kraftentwicklung unterstützend wirken, während in den Totpunkten (durch den geringeren Umfang des Kettenblatts) der Kraftaufwand reduziert werden soll. Damit wird das Bein quasi über die 6- und die 12-Uhr-Stellung geschoben. So sollte man weniger ermüden, was vor allem auf einer Langdistanz positive Auswirkungen haben müsste.

 

Verschiedene Studien scheinen dies zu bestätigen. Wenn ich recht informiert bin, endete der Vergleich zwischen ­Q-Rings und normalen Kettenblättern bis jetzt 3:0 für die unrunde Variante: Die Probanden erreichten ­höhere Wattwerte bei gleicher oder etwas ­geringerer Herzfrequenz, hielten in ­einem Dauertest bei konstanter Leistung länger durch, und konnten in kurzen Sprinttests mehr Leistung auf die ­Kette übertragen.

 

Um es wirklich GENAU zu wissen habe ich das Oval anlässlich des Eiger Bikerennens getestet.
Zunächst einmal: Das Gefühl ist komplett unrund! Nach einer Eingewöhnungszeit habe ich festgestellt, dass der Unterschied vor allem bei geringen Trittfrequenzen, also im grossen Kraftbereich deutlich spürbar wird. Das Velo lässt sich besser durch steile Rampen "hindurchdrücken". Vom oft berichteten Nachteil eines unsauberen Schaltverhaltens habe ich während meiner Testzeit nichts spüren können (SRAM XX).
 
Ob die Tatsache, dass viermal pro Kurbelumdrehung der Abstand zwischen Umwerferleitblech und Zähne variert, im rauhen Gelände Schwierigkeiten macht, müssen weitere Tests zeigen. Ich bin jedoch zuversichtlich: Christoph Sauser fährt diese Kettenblätter z.B. an Cape Epic. Das Gelände ist in Südafrika über weite Strecken sehr rauh, wie ich mich im Februar selbst habe überzeugen können.
 
Wichtig ist, dass die Kettenblätter richtig montiert und individuell angepasst werden. Die Q-Rings bieten jedem Fahrer individuell die Möglichkeit durch 3 (beim MTB) unterschiedlich positionierte Aufnahmen die genaue Position der Kettenblätter im Verhältnis zum Kurbelarm selbst zu bestimmen. Auf diese Weise wird auf die unterschiedlichen Gewohnheiten der Fahrer eingegangen, je nachdem in welcher Kurbelstellung der individuelle Fahrer die maximale Kraftentfaltung gerne hätte (Ein Zeichen, dass die Position nicht stimmt ist z.B. dass man beginnt auf dem Sattel herumzurutschen).

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